Das Szenario ist alltäglich: Die Debitorenliste wird als Tabelle in den Chat kopiert, mit der Bitte um eine Auswertung der Zahlungsmoral. Die Antwort ist gut, die Arbeit ist erledigt. Was danach mit der Liste geschieht, steht in Dokumenten, die selten jemand liest. Dieser Text fasst zusammen, was tatsächlich darin steht.
Die drei Ebenen, die man unterscheiden muss
Gratis- und Privatabos
Hier werden Konversationen standardmässig aufbewahrt und können zur Verbesserung der Modelle verwendet werden. Bei OpenAI lässt sich das in den Einstellungen abwählen. Anthropic hat die Bedingungen im August 2025 umgestellt: Chats und Programmiersitzungen der Tarife Free, Pro und Max werden zum Training verwendet, sofern man nicht widerspricht, und dürfen bis zu fünf Jahre aufbewahrt werden. Zuvor galten 30 Tage ohne Training.
Team- und Unternehmenstarife
Für ChatGPT Team, Enterprise und Edu sichert OpenAI vertraglich zu, Geschäftsdaten nicht für das Training zu verwenden. Es gibt einen Auftragsverarbeitungszusatz, Verwaltungsfunktionen und in vielen Märkten die Wahl der Datenregion, inzwischen auch in Europa. Das ist ein deutlich anderes Produkt als das Privatabo, zu einem anderen Preis.
Die Programmierschnittstelle
Über die API übermittelte Daten werden nicht zum Training verwendet. Die dokumentierte Voreinstellung ist eine kurze Aufbewahrung von bis zu 30 Tagen zur Missbrauchserkennung. Eine vollständige Nullaufbewahrung ist möglich, aber an einen Unternehmensvertrag und geeignete Endpunkte gebunden.
Der Punkt, den kein Tarif löst
Selbst mit Unternehmensvertrag, ausgeschlossenem Training und europäischer Datenregion bleibt eine Tatsache bestehen: Der Anbieter ist ein amerikanisches Unternehmen und untersteht amerikanischem Recht. Der CLOUD Act erlaubt US-Behörden den Zugriff auf Daten, die ein US-Anbieter verwaltet, unabhängig vom Speicherort.
Wie konkret das wird, zeigte der Urheberrechtsstreit zwischen der New York Times und OpenAI. Im Mai 2025 wurde OpenAI angewiesen, Ausgabeprotokolle aufzubewahren, die im normalen Betrieb und auf Löschwunsch der Nutzer gelöscht worden wären. Das Gericht bestätigte die Anordnung im Juni, später wurde die Herausgabe von 20 Millionen zufällig gezogenen Konversationen angeordnet. Im Oktober 2025 wurde die generelle Aufbewahrungspflicht wieder aufgehoben, für markierte Konten besteht sie fort.
Was das für ein Schweizer KMU bedeutet
- Ein privates Abo ist für Geschäftszahlen die schlechteste Variante, und gleichzeitig die verbreitetste.
- Wer amerikanische Werkzeuge einsetzen will, sollte mindestens auf einen Unternehmenstarif mit Auftragsverarbeitungszusatz wechseln.
- Auch dann bleibt die Zuständigkeit amerikanischer Gerichte bestehen. Diese Restfrage lässt sich vertraglich nicht wegverhandeln.
- Wenn Vertraulichkeit vertraglich zugesichert oder berufsrechtlich geboten ist, ist eine Verarbeitung in der Schweiz der einfachere Weg.
Die praktische Alternative
Ein Sprachmodell muss nicht in Kalifornien stehen, um gute Arbeit zu leisten. Offene Modelle wie Llama, Mistral oder Qwen und das in der Schweiz entwickelte Apertus laufen auf Schweizer Infrastruktur. Bilano nutzt dafür Infomaniak mit Rechenzentren in Genf und Zürich: ein Schweizer Unternehmen ohne US-Muttergesellschaft, ISO 27001-zertifiziert, ohne Protokollierung der Anfragen und ohne Training mit Ihren Daten.
Der zweite Unterschied ist praktischer Natur: Sie kopieren gar keine Tabellen mehr. Bilano liest die benötigten Zahlen direkt aus bexio, für jede Anfrage neu, und behält sie nicht.