Recht

Der US CLOUD Act: Warum ein Schweizer Serverstandort allein nicht reicht

Der verbreitetste Irrtum bei der Anbieterwahl ist die Annahme, der Standort des Rechenzentrums entscheide über den Zugriff. Massgebend ist, wer den Anbieter beherrscht.

Aktualisiert am 6 Minuten Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Der CLOUD Act von 2018 verpflichtet US-Anbieter zur Herausgabe von Kundendaten, unabhängig vom Speicherort.
  • Betroffen sind auch Schweizer Tochtergesellschaften amerikanischer Konzerne.
  • Ein Schweizer Anbieter ohne US-Mutter untersteht ihm nicht; US-Behörden müssten den Rechtshilfeweg gehen.
  • Verschlüsselung hilft nur, wenn der Anbieter die Schlüssel nicht hat.

Der Clarifying Lawful Overseas Use of Data Act, kurz CLOUD Act, ist seit März 2018 in Kraft. Er stellt klar, dass amerikanische Anbieter elektronischer Kommunikations- und Speicherdienste den US-Strafverfolgungsbehörden auf entsprechende Anordnung hin Kundendaten herausgeben müssen, und zwar unabhängig davon, in welchem Land diese Daten gespeichert sind.

Warum die Landkarte in die Irre führt

Viele Anbieter werben mit einem Rechenzentrum in der Schweiz. Das ist für Latenz, Verfügbarkeit und teilweise für die Einhaltung von Aufbewahrungspflichten relevant. Für die Frage des behördlichen Zugriffs ist es das nicht. Sobald Sie Daten einem Anbieter anvertrauen, unterstehen sie faktisch dessen Rechtsordnung. Bei einem US-Konzern ist das amerikanisches Recht, auch wenn die Festplatte in Zürich steht.

KonstellationCLOUD Act anwendbar
US-Anbieter, Server in den USAJa
US-Anbieter, Server in der SchweizJa
Schweizer Tochter eines US-KonzernsIn der Regel ja
Schweizer Anbieter ohne US-Mutter, Server in der SchweizNein

Was das für die Anbieterauswahl bedeutet

Wenn Sie den Zugriff nach CLOUD Act ausschliessen wollen, gibt es im Kern nur einen zuverlässigen Weg: einen Anbieter, der weder eine US-Muttergesellschaft noch massgebliche US-Kontrolle hat. Alles andere sind Abstufungen.

Weitere Massnahmen können das Risiko senken, es aber nicht beseitigen. Eine clientseitige Verschlüsselung, bei der der Anbieter die Schlüssel nie sieht, macht herausgegebene Daten wertlos, ist bei einem KI-Dienst aber naturgemäss schwierig: Das Modell muss den Klartext verarbeiten können. Ein sorgfältiger Auftragsbearbeitungsvertrag regelt Pflichten und Unterauftragnehmer, hebelt aber keine hoheitliche Anordnung aus.

Verhältnis zum Schweizer Datenschutzrecht

Der CLOUD Act und das DSG beantworten verschiedene Fragen. Das DSG regelt, ob Sie Personendaten ins Ausland bekanntgeben dürfen. Seit dem 15. September 2024 gelten die USA für Unternehmen mit Zertifizierung unter dem Swiss-U.S. Data Privacy Framework als angemessen, die Übermittlung an solche Unternehmen ist also ohne Zusatzgarantien zulässig. Der CLOUD Act regelt, ob amerikanische Behörden auf diese Daten zugreifen können. Die Antwort darauf bleibt ja.

Wie Bilano damit umgeht

Bilano wird von einer Schweizer Gesellschaft betrieben. Die Sprachmodelle laufen bei Infomaniak, einem Schweizer Unternehmen mit eigenen Rechenzentren in Genf und Zürich und ohne US-Muttergesellschaft. Damit besteht in der Verarbeitungskette von bexio über Bilano bis zum Modell kein Punkt, an dem der CLOUD Act greift.

Häufige Fragen

Gilt der CLOUD Act auch für Server in der Schweiz?

Ja, wenn der Anbieter ein amerikanisches Unternehmen ist oder von einem solchen beherrscht wird. Der CLOUD Act knüpft an den Anbieter an, nicht an den Standort der Hardware.

Hilft Verschlüsselung gegen den CLOUD Act?

Nur wenn der Anbieter die Schlüssel nicht besitzt. Verschlüsselt der Anbieter selbst und verwaltet die Schlüssel, kann er auf Anordnung entschlüsseln. Bei KI-Diensten kommt hinzu, dass das Modell den Klartext verarbeiten muss.

Wie erkenne ich, ob ein Anbieter betroffen ist?

Prüfen Sie die Eigentümerstruktur im Handelsregister und die Angaben zur Konzernzugehörigkeit, nicht nur die Standortangaben auf der Website. Fragen Sie zudem nach den Unterauftragnehmern: ein Schweizer Anbieter, der im Hintergrund ein amerikanisches Modell aufruft, verlagert das Problem nur.

Ihre Buchhaltung fragen, ohne dass sie das Land verlässt.

Bilano verbindet sich mit bexio und beantwortet Ihre Fragen mit Sprachmodellen, die in der Schweiz laufen. Gratis-Tarif ohne Zeitlimit.