Ratgeber

Offene Posten im Griff: Debitorenmanagement für KMU

Gutes Debitorenmanagement braucht drei Dinge: eine offene Posten Liste nach Alter gegliedert, eine Kennzahl für die Zahlungsdauer (DSO) und eine feste Routine pro Woche. Mit 30 Minuten am Montag und klaren Regeln je Altersklasse sinken die überfälligen Beträge spürbar. Hier ist das Vorgehen mit einem durchgerechneten Beispiel.

Von Dario TschannenAktualisiert am 9 Minuten Lesezeit
Tabelle der überfälligen Rechnungen mit Kunde, Tagen und offenem Betrag

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Altersgliederung teilt die offenen Debitoren in nicht fällig, 1 bis 30, 31 bis 60, 61 bis 90 und über 90 Tage überfällig.
  • DSO (Days Sales Outstanding) = Debitorenbestand ÷ Umsatz der Periode × Tage der Periode. Rechnen Sie mit dem Umsatz inklusive MWST, weil auch die Debitoren die MWST enthalten.
  • Die Differenz zwischen DSO und Best Possible DSO zeigt, wie viele Tage auf echten Zahlungsverzug zurückgehen.
  • Eine feste Routine pro Woche mit klaren Massnahmen je Altersklasse wirkt mehr als jede einzelne Mahnaktion.

Jede offene Rechnung ist ein zinsloser Kredit an Ihren Kunden. Solange die Beträge klein sind, fällt das kaum auf. Sobald aber mehrere grosse Rechnungen gleichzeitig überfällig sind, fehlt das Geld für Löhne, MWST und Lieferanten. Debitorenmanagement heisst, die offenen Posten der Debitoren so zu führen, dass Sie solche Engpässe kommen sehen und früh handeln.

Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie eine offene Posten Liste aufbauen, die Zahlungsdauer mit der Kennzahl DSO messen und eine Routine einführen, die pro Woche eine halbe Stunde kostet.

Die offene Posten Liste nach Alter gliedern

Eine reine Liste aller offenen Rechnungen hilft wenig, weil sie nicht zeigt, wo es brennt. Gliedern Sie die offenen Posten deshalb nach Tagen seit Fälligkeit. Diese Altersgliederung, im Englischen Aging, ist der Standard im Kreditmanagement. Ein Beispiel für ein Dienstleistungs-KMU per 30. September 2026:

AltersklasseAnzahl RechnungenBetragAnteil
Nicht fällig24CHF 128'40059.8 %
1 bis 30 Tage überfällig11CHF 52'30024.4 %
31 bis 60 Tage überfällig4CHF 19'8009.2 %
61 bis 90 Tage überfällig2CHF 8'6004.0 %
Über 90 Tage überfällig2CHF 5'5002.6 %
Total offene Posten43CHF 214'600100 %
Offene Posten nach Altersklasse, Beispiel per 30. September 2026
Nicht fällig

CHF 128'400

1 bis 30 Tage

CHF 52'300

31 bis 60 Tage

CHF 19'800

61 bis 90 Tage

CHF 8'600

Über 90 Tage

CHF 5'500

Überfällig sind in diesem Beispiel CHF 86'200 oder rund 40 % des Bestands. Das klingt viel, doch der grösste Teil liegt in der ersten Klasse und erledigt sich oft mit einer freundlichen Erinnerung. Aufmerksamkeit verdienen die CHF 14'100 über 60 Tage: Je älter eine Forderung, desto unwahrscheinlicher wird die Zahlung ohne Ihr Zutun.

DSO berechnen: wie lange Ihre Kunden zahlen

Die Kennzahl DSO, Days Sales Outstanding, sagt, wie viele Tage Umsatz im Durchschnitt in den Debitoren gebunden sind. Die Formel:

DSO = Debitorenbestand am Stichtag ÷ Umsatz der Periode × Anzahl Tage der Periode

Weiter mit dem Beispiel: Der Debitorenbestand per 30. September beträgt CHF 214'600. Im dritten Quartal, also in 92 Tagen, wurden CHF 585'000 inklusive MWST fakturiert. Damit gilt: 214'600 ÷ 585'000 × 92 = 33.7 Tage. Bei einer Zahlungsfrist von 30 Tagen sieht das auf den ersten Blick ordentlich aus.

Aussagekräftiger wird die Zahl im Vergleich mit dem Best Possible DSO. Dafür setzen Sie nur die noch nicht fälligen Posten ein: 128'400 ÷ 585'000 × 92 = 20.2 Tage. Die Differenz von 13.5 Tagen geht auf Zahlungsverzug zurück. Das ist die Grösse, die Sie mit Debitorenmanagement beeinflussen können.

Einen Richtwert nennt das KMU-Portal des Bundes: Der Debitorenumschlag, also Umsatz geteilt durch Debitorenbestand aufs Jahr gerechnet, sollte einen Faktor von 8 bis 10 möglichst nicht unterschreiten. Bei 30 Tagen Zahlungsfrist entspricht das einer tatsächlichen Zahlungsdauer von 36 bis 45 Tagen.

  • Rechnen Sie DSO jeden Monat mit derselben Methode, damit die Werte vergleichbar bleiben.
  • Verwenden Sie den Umsatz inklusive MWST, weil auch der Debitorenbestand die MWST enthält.
  • Bei saisonalem Geschäft liefert ein Quartal ein ruhigeres Bild als ein einzelner Monat.
  • Berechnen Sie die Zahl auch pro Kunde. Der Durchschnitt verdeckt oft, dass zwei Kunden für den Grossteil der Verzögerung verantwortlich sind.

Klumpenrisiko: auf die grossen Kunden schauen

Ein Kunde, der 30 % Ihres Umsatzes ausmacht und 20 Tage zu spät zahlt, belastet Ihre Liquidität stärker als zehn kleine Kunden mit derselben Verspätung. Prüfen Sie deshalb mindestens einmal pro Quartal, wie sich Ihr Umsatz auf die Kunden verteilt, und behandeln Sie die grössten Positionen in der Wochenroutine einzeln.

Umsatzanteile der grössten Kunden als Ringdiagramm
Umsatzanteile der grössten Kunden: zeigt auf einen Blick, wo ein Zahlungsverzug am meisten wiegt.

Die Routine: 30 Minuten pro Woche

Debitorenmanagement scheitert selten am Wissen, sondern an der Regelmässigkeit. Legen Sie einen festen Termin fest, etwa Montagmorgen, und gehen Sie jedes Mal dieselben Schritte durch:

  1. Zahlungseingänge der Vorwoche verbuchen oder prüfen, ob sie den Rechnungen zugeordnet sind. Erst dann stimmt die Liste.
  2. Altersgliederung neu erstellen und mit der Vorwoche vergleichen: Welche Posten sind in eine höhere Klasse gerutscht?
  3. Fällige Mahnstufen auslösen: Erinnerung, 2. Mahnung oder letzte Mahnung nach Ihrem Mahnplan.
  4. Kunden mit Beträgen über 31 Tage oder über einer festen Schwelle, etwa CHF 5'000, anrufen statt nur schreiben.
  5. Für grosse neue Rechnungen kurz nachfragen, ob sie angekommen und freigegeben sind.
  6. Absprachen festhalten: zugesagtes Zahlungsdatum, Ratenplan, Reklamationen.

Einmal pro Monat ergänzen Sie die Routine um die DSO-Berechnung und einen Blick auf Kunden, deren Zahlungsverhalten sich verschlechtert. Zum Jahresende prüfen Sie zusammen mit Ihrer Treuhänderin oder Ihrem Treuhänder, ob für alte Posten eine Wertberichtigung nötig ist. Das OR verlangt eine vorsichtige Bewertung und eine Überprüfung, wenn konkrete Anzeichen für eine Überbewertung bestehen (Art. 960 OR).

Massnahmen je Altersklasse

Damit die Routine schnell geht, entscheiden Sie nicht jedes Mal neu, sondern legen die Massnahmen einmal fest:

AltersklasseMassnahmeWerNeue Lieferungen
Nicht fälligBei grossen Beträgen Eingang bestätigen lassenBuchhaltungNormal
1 bis 30 TageFreundliche Zahlungserinnerung, Frist 10 TageBuchhaltungNormal
31 bis 60 Tage2. Mahnung mit Verzugszins, AnrufBuchhaltung, ProjektleitungNur nach Rücksprache
61 bis 90 TageLetzte Mahnung, Ratenplan anbietenGeschäftsleitungNur gegen Vorauszahlung
Über 90 TageBetreibung einleiten, Wertberichtigung prüfenGeschäftsleitung, TreuhandGestoppt

Ab Verzug schuldet der Kunde 5 % Verzugszins (Art. 104 Abs. 1 OR). Wie Sie die Mahnstufen formulieren und wann die Betreibung folgt, steht mit Vorlagen im Ratgeber zur Mahnung in der Schweiz. Für die erste Stufe finden Sie freundliche Texte in drei Sprachen im Beitrag zur Zahlungserinnerung.

Vorbeugen: weniger offene Posten von Anfang an

  • Schnell fakturieren. Jeder Tag zwischen Leistung und Rechnung verlängert die Zahlungsdauer um einen Tag.
  • Ein konkretes Zahlungsdatum auf die Rechnung schreiben statt nur «30 Tage netto».
  • Bei Projekten Teilrechnungen oder eine Anzahlung vereinbaren.
  • Bei neuen Kunden mit grossen Aufträgen die Bonität prüfen. Einen Auszug aus dem Betreibungsregister erhalten Sie, wenn Sie ein Interesse glaubhaft machen, etwa einen bevorstehenden Vertragsabschluss.
  • Rechnungen an die richtige Adresse und mit der Bestellnummer des Kunden schicken, damit sie in dessen Freigabe nicht hängen bleiben.

Das Recht auf Einsicht in das Betreibungsregister steht in Art. 8a SchKG. Ein Interesse gilt insbesondere als glaubhaft, wenn das Gesuch in direktem Zusammenhang mit dem Abschluss oder der Abwicklung eines Vertrages steht.

Saubere Liste: Teilzahlungen, Gutschriften, Reklamationen

Die beste Routine nützt wenig, wenn die Liste selbst nicht stimmt. Eine Mahnung für eine längst bezahlte Rechnung ärgert den Kunden mehr als jede späte Erinnerung. Achten Sie deshalb auf drei Fehlerquellen:

  • Teilzahlungen: Ordnen Sie jede Zahlung der richtigen Rechnung zu. Ein nicht zugeordneter Zahlungseingang lässt die Rechnung offen erscheinen und den Kunden doppelt mahnen.
  • Gutschriften: Verrechnen Sie Gutschriften mit der zugehörigen Rechnung, statt sie als eigenen Posten stehen zu lassen.
  • Reklamationen: Bestrittene Rechnungen markieren Sie separat und klären sie rasch. Solange der Grund offen ist, bringt eine Mahnung meist nur Ärger, aber ein Gesprächstermin bringt das Geld.

Für die Geschäftsleitung reichen am Monatsende vier Zahlen: Total offene Posten, Anteil überfällig, Betrag über 90 Tage und DSO, jeweils im Vergleich zum Vormonat. Dazu eine Liste der fünf grössten überfälligen Kunden mit dem nächsten Schritt. Wer diese Übersicht jeden Monat in derselben Form sieht, erkennt Verschlechterungen, lange bevor sie in der Liquidität spürbar werden.

Offene Posten der Debitoren in bexio mit Bilano

In bexio sind alle Daten für diese Routine vorhanden, die Auswertung braucht aber einige Klicks und meist einen Export nach Excel. Bilano liest die Rechnungen über die offizielle bexio-Schnittstelle und beantwortet die Fragen der Wochenroutine direkt: Es zeigt die überfälligen Rechnungen nach den Altersklassen 1 bis 30, 31 bis 60, 61 bis 90 und über 90 Tage, jeweils mit der aktuellen Mahnstufe, und berechnet das Zahlungsverhalten und die DSO pro Kunde.

Tabelle der überfälligen Rechnungen mit Kunde, Tagen und offenem Betrag
Überfällige Rechnungen nach Kunde, Tagen im Verzug und offenem Betrag.

Auf Wunsch schlägt Bilano einen Mahnlauf vor. Jede Mahnung erscheint zuerst als Vorschau und wird erst nach Ihrem Klick auf «Ausführen» in bexio angelegt, eine nach der anderen. Die Liste lässt sich als Excel-Datei exportieren, etwa für die Besprechung mit der Geschäftsleitung. Treuhandbüros sehen im Treuhand-Cockpit die Summen über alle Mandanten. Details zum Ablauf finden Sie auf der Seite zu Mahnungen und offenen Posten.

Häufige Fragen

Was ist eine offene Posten Liste?

Eine Aufstellung aller Rechnungen, die noch nicht oder nur teilweise bezahlt sind, mit Kunde, Rechnungsdatum, Fälligkeit und offenem Betrag. Für das Debitorenmanagement gliedert man sie nach Tagen seit Fälligkeit, damit überfällige Posten sofort sichtbar sind.

Wie berechnet man DSO?

DSO = Debitorenbestand am Stichtag ÷ Umsatz der Periode × Anzahl Tage der Periode. Beispiel: CHF 214'600 Debitoren bei CHF 585'000 Quartalsumsatz und 92 Tagen ergibt 33.7 Tage. Verwenden Sie Umsatz und Debitoren beide inklusive MWST.

Was ist ein guter DSO-Wert?

Das hängt von Ihren Zahlungsfristen und Ihrer Branche ab. Das KMU-Portal des Bundes nennt bei 30 Tagen Zahlungsfrist eine tatsächliche Zahlungsdauer von 36 bis 45 Tagen als Grenze. Aussagekräftiger als ein absoluter Wert ist der Vergleich mit Ihrer Zahlungsfrist, mit dem Best Possible DSO und mit Ihren eigenen Vormonaten.

Wie oft sollte man die offenen Posten prüfen?

Mindestens einmal pro Woche, zu einem festen Termin. Eine monatliche Prüfung reicht für die Kennzahlen, aber nicht, um Mahnstufen pünktlich auszulösen.

Dario Tschannen

Gründer von Bilano

Dario Tschannen ist Gründer von Bilano. Er baut die Infrastruktur, die Schweizer Buchhaltungsdaten ausschliesslich in der Schweiz verarbeitet, und ordnet in dieser Wissensreihe ein, was dabei rechtlich und praktisch gilt.

Dieser Beitrag ordnet die Rechtslage allgemein ein und ersetzt keine Rechtsberatung. Für eine Beurteilung Ihres Einzelfalls ziehen Sie eine Fachperson bei.

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